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Brief des Präsidenten der Zionistischen Organisation Deutschlands. (30. April 2006)

Es muss erlaubt sein, einmal nicht von Politiker zu Politiker, sondern von einem Freund zu einem anderen Freund einige Gedanken zu aeussern.
In der Juedischen Allgemeinen aus dem Jahr 1957 gab es auf der Seite 3 einen langen Bericht ueber das 1. Seminar fuer Madrichim in Deutschland nach dem Krieg. Die Marzim, also die Leiter, waren Dr. Hans Lamm s.A. und andere Maenner der 1. Generation. Am letzten Seminartag, an dem 40 Madrichim teilgenommen hatten, bedankten sich zwei von ihnen. Der eine war 17 1/2 und der andere 18 1/2 Jahre alt im Namen der ganzen Gruppe fuer diese Schulung. In der Allgemeinen stand also, es bedankten sich Paul Spiegel aus Warendorf und Robert Guttmann aus Berlin. Er, Paul Spiegel, war der Aeltere. Das ist eine lange lange Freundschaft, die diese vielen Jahre hindurch gehalten hat und die auch heute nicht zu Ende gegangen ist, obwohl er nicht mehr unter uns weilt.
Zu Silvester 2005 gratulierte ich ihm zu seinem Geburtstag. Bei einem laengeren Gespraech sagte ich zu ihm, beim naechsten Geburtstag kommst Du nicht so einfach davon,,Beim 70. machen wir etwas Grosses, nur mit dem Zentralrat, Deinen alten Freunden und guten Bekannten. Seine Antwort war , sehr gerne, aber ich bin nicht sicher, dass wir es machen werden. Ob er es schon wusste, ob er es ahnte, ob er vielleicht Spass gemacht hat? Ich weiss es nicht.
Wer war Paul Spiegel? Ausser aus seinen Buechern und Artikeln wissen die Leute sehr wenig ueber ihn. Immer gut gelaunt, immer freundlich, immer hoeflich, ein wunderbarer Familienvater, der zusammen mit seiner treusorgenden Frau Giselle, sehr viele Sorgen in sich hineingefressen hat. Er hat auf allen Gebieten sehr gekaempft. Aber seine Begabung, sein Wille, nach oben zu kommen, waren immer da. Als Pressesprecher des Sparkassenverbandes Deutschland hat er seine ersten grossen Auftritte gemacht, wie zum Beispiel bei einer Feier für den damaligen Bundeskanzler Kohl, wo er Conferencier war, und wo er sah, dass es gut ging. Ab dann hat er es oft wiederholt und das mit grossem Erfolg.

Ich war vor ihm im Direktorium des Zentralrats und als er dazukam, habe ich einen Stuhl neben mir, aber naeher zum damaligen Praesidenten Heinz Galinski reserviert. Er hat sich sehr gefreut. Er hatte schon einige Erfahrung mit Landesverbaenden und Gemeinden und sein Ziel war immer einfach und klar: zu versuchen, die juedische Gemeinschaft in Deutschland zu einigen, Wege zu suchen, dass einer den anderen versteht. Nicht eine Streitkultur zu schaffen, sondern tatsaechlich einen Versuch zu wagen, eine grosse Gemeinschaft aufzubauen unter einem Dach, jedoch mit verschiedenen Richtungen.

Er war nicht sicher, ob er 1999 kandidieren soll. Er hat es sich lange ueberlegt, bis die Entscheidung dann getroffen war. Das war gut so. Es war gut für die Juden in Deutschland. Es war gut für die deutschen Juden und es war gut für Deutschland. Ein ruhiger, kluger Mann, der sich nicht in alles einmischte, nur wenn man seine Stimme hoeren sollte und musste. Seine Stimme ist verstummt. Seine Schmerzen sind weg, er hat sie nun uns hinterlassen. Leb' wohl, Paul!

Dein Freund Robert

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