Brief des Präsidenten
der Zionistischen Organisation Deutschlands. (3. April 2005)
in Kürze wird des 60. Jahrestages nach Kriegsende gedacht.
Die Menschen, die der Hölle entronnen sind zwischen
1939 und 1945 sterben langsam aus. Die Tätowierungen
in den Armen werden ein Teil der Geschichte, die man irgendwann
nicht mehr glauben wird.
In Israel gibt es eine neue Tendenz. Junge Leute, in deren
Familien es noch Opas und Omas gibt aus Zeiten des Holocaust,
tätowieren sich die Nummern, die diese Angehörigen
ein Leben lang als "Erinnerung" trugen, in die
eigenen Arme. Dies fing ganz klein an und wächst sich
in eine ungewöhnliche Erinnerungs-Tätowierungswelle
aus und man nimmt an, daß auch wegen eines Nachahmungseffektes
eine große Zahl von anderen Jugendlichen dies auch
tun werden. Was bedeutet das, warum tut man dies? Will man diese Schandzeichen
verlängern, die schwärzesten Jahre des jüdischen
Volkes in Erinnerung behalten? Ist das etwas, an das man
sich erinnern will, dass Menschen wie Tiere numeriert worden
sind, in ein paar Stunden ihre Namen und Familien, ihre Berufe
und ihre Vergangenheit verloren haben, oder ist es ein Stolz,
dass man trotz all dem überlebt hat, dass dieses Volk
nicht auszurotten ist? Der Papst ist tot. Dass die Christen, vor allem die katholische
Welt trauert, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches.
Aber dass Juden, überall auf der Welt und im Staat Israel,
trauern, dass dieser Mann, der 2. Papst in den letzten hundert
Jahren nach Johannes XXIII, der es verstanden hat, was es
bedeutet hat, was die Kirche gegen Juden machte und versuchte
hat, durch diplomatisches Geschick und durch Menschlichkeit,
wenn es auch nicht möglich ist, wiedergutzumachen, auf
neue Wege für die Zukunft zu lenken, das ist nicht selbstverständlich.
Es ist gut so. Es ist richtig so und wenn man Juden mit Kippoth
und Bart für den kranken Papst beten sah, auch auf dem
Petersplatz stehend, und auf dessen Fenster blickend, dann
ist es ein gutes Zeichen für die Zukunft und die Zionistische
Organisation bedauert zutiefst den Tod dieses großen
Mannes und hofft gleichzeitig, daß die Zukunft einen
Papst auf den Stuhl Petri setzt, der nicht die Uhren rückwärts
drehen wird. Man wagt sich nicht vorzustellen, was gewesen
wäre, wäre der Attentäter von 1982 ein Jude
gewesen. Aber G'ttseidank war dem nicht so.
Dr. Robert Guttmann
Präsident
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