Brief des Präsidenten
der Zionistischen Organisation Deutschlands. (März 2005)
ein paar Tage vor seinem Tod, im Juli
1999, hat mich Ignatz Bubis angerufen und sagte mit ganz
ruhiger Stimme
a) daß er zu meiner Geburtstagsfeier nicht kommen könne,
weil er krank sei und
b) obwohl es nicht vorgesehen war und wir nie lange Gespräche
führten, begann er plötzlich mit mir über
Politik zu sprechen und dies sehr ausführlich. Am Ende
hat er weder 'auf Wiedersehen' noch sonst etwas gesagt, sondern
ganz einfach aufgelegt. Er meinte, was man später auch
in Zeitungen und im STERN lesen konnte, daß defacto
sein ganzes Lebenswerk umsonst war, daß er nichts erreicht
habe, vielleicht hat er keinen Schaden zugefügt, aber
was er wollte, liege in weiter Ferne und jetzt.....
las ich vor ein paar Tagen in der Zeitung, daß auch
mein Freund, Paul Spiegel, ähnlich, aber noch verbitterter
sein Resumé gezogen hat von den Jahren nach Bubis,
also seit er Präsident des Zentralrats ist. Was wollte
Bubis, was will Spiegel, was will ich?
Die Wege sind verschieden. Aber alle wollen wir und wollten
wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen.
Wir wollten zeigen, dass Juden und Christen gleich sind,
dass wir alle Menschen sind mit ihren Problemen,. mit ihren
Sorgen, mit ihrer Freude. Vielleicht haben die Juden immer
mehr Probleme gehabt, mehr Sorgen und mussten ihr Leben immer
irgendwie retten. Aber wir glauben und glaubten, dass die
Menschen gleich sind und dass es sich lohnt, in diesem Land,
wo überall Blutgeflossen ist, auf jedem qcm , den Versuch
zu starten, in der neuen Demokratie, mit neuen, nachgeborenen
Menschen einen Weg zu suchen, dass Juden in diesem Land wieder
leben können.
Warum eigentlich? Nicht wegen der tausendjährigen Geschichte
der Juden, sondern nur aus einem einzigen Grund, damit Hitler
nicht recht bekommen sollte, dass Deutschland judenfrei ist.
Aber scheinbar haben wir alle versagt. Scheinbar gibt es
wenig Platz oder keinen Platz für Juden in diesem Land.
Es ist sehr bitter, was Paul Spiegel gesagt hat, als Deutscher
in Deutschland geboren, von deutschen Eltern, mit deutscher
Muttersprache. Er resigniert und kämpft dennoch weiter.
Für mich ist es anders. Obwohl ich stellvertretender
Vorsitzender des Zentralrats war, habe ich mich nie als Deutscher
betrachtet. Aber überraschenderweise fühle ich
mich gut in diesem Land .Aber ich bin auch sehr verbittert,
zu sehen, dass die Jugend weggeht und dass meine Söhne
auch diesen Weg gesucht haben oder jedenfalls diesen Weg
gegangen sind,dass sie wahrscheinlich nicht zurückkommen.
Dieser Brief ist nicht nur ein Statement.
Mit diesem Brief bitte ich Sie alle, Sie die die Website
besuchen, Ihre Meinung
kundzutun, ob negativ oder positiv. Egal wo in Deutschland
oder Europa Sie sich befinden. Monologe zu halten hat nie
viel bewirkt. Vielleicht können Dialoge noch einen Weg
aufzeichnen, wo man sagen kann per aspera ad astra
Dr. Robert
Guttmann
Präsident
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