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Brief des Präsidenten der Zionistischen Organisation Deutschlands. (Nov. 2004)

Arafat ist tot. Plötzlich geben die Menschen zu, Freunde und Feinde, daß es jetzt eine Chance für Frieden gibt. Palästinenser müssen Interesse daran haben und die Israelis kämpfen dafür seit fünfzig Jahren. Die ganze Welt jubelt. Solana, einer der größten Gegner Isaels hat 24 Stunden nach dem Begräbnis seinen Kranz schon mitgebracht und meint, Hoffnung liegt in der Luft.
Die Zeitungen bringen als Überschriften, die meisten von ihnen, DRUCK AUF ISRAEL. Nirgends steht 'Druck auf die Palästinenser, Druck auf Hamas und die anderen Mörder-brigaden'. Außenminister Fischer auf die Frage von Uli Wickert 'und was geschieht mit den hunderten Millionen oder Milliarden, die in falsche Kanäle geflossen sind' Antwort
'da muß man sehr vorsichtig sein, wenn man darüber spricht. Man weiß ja nicht Bescheid'. und dann kam von Herrn Wickert 'also soll man es vergessen, kein Druck'.
Die Mörderbrigaden bauen ihre Gürtel weiter und es ist ein absoluter Irrglaube,
anzunehmen, daß sich jetzt auf einmal alles geändert haben soll. Sicherlich, der Mann, der nie Frieden wollte, der Mann der immer nur ein Ziel verfolgt hat, der Mann der sogar das Nobelpreis-Komitee hereingelegt hat, der ist tot. Aber es hat sich dennoch nichts geändert. Lügen, falsche Aussagen, Mißtrauen und Haß können nicht in einem Tag verfliegen. Aber warum Druck auf Israel?
Israel soll seine Soldaten abziehen, die Straßenblockaden aufgeben, schön zusehen wie man nun Waffen und Munition von einer Stadt zur anderen transportieren kann und man wieder die Möglichkeit hat, sich zusammenzutun, neue Pläne zu schmieden und wenn dann ein paar Bomben fallen, ein paar Busse in die Luft fliegen, dann wird man sagen, na ja, so schlimm ist das nicht. Das palästinensische Volk kämpft für seine Freiheit.
Wenn man die Bilder vom Begräbnis angeschaut hat, dann hat man das wahre Gesicht der Menschen dort gesehen. Sicherlich war auch Trauer dabei. Nach neuesten Umfragen sind es 35 % der Palästinenser, die traurig sind. Aber wenn man gesehen hat, was sich dort wirklich abgespielt hat, wenn man gesehen hat, wie schnell die Menschen schießen, brüllen, alle Absperrungen durchbrechen, kann man sich vorstellen, daß diese nicht zu bändigen sind - und einige Stunden später war Ramallah leer.
Aber zu suggerieren versuchen, was die meisten Medien tun, daß man jetzt Druck auf Israel ausüben muß, auf die Palästinenser jedoch nicht, ist fast abstoßend. Warten wir die 60 Tage ab, warten wir ab zu sehen, wer überhaupt nach oben kommen wird, sehen wir ob die palästinensische Jugend diese ältere Riege, die alle gleich korrupt sind, die alle 20 Jahre oder mehr die Stiefel von Arafat geküßt haben, ob diese überhaupt an der Macht bleiben oder ob sie verschwinden werden.
Geben wir beiden Seiten eine Chance eventuell miteinander zu reden. Aber wenn der französische Botschafter in London Israel als 'small shitty country' bezeichnet, wenn Menschen wie Solana und Patten das Sagen haben, wenn man Antisemitismus in
Anitzionismus umwandelt und wenn man aus deutschem Mund den Ausspruch "der
besonderen Beziehung und Verantwortung für Israel" nicht mehr hört, nur wegen einem Sitz im Sicherheitsrat, dann wird es keinen Frieden geben können. Dann wird es keine Ruhe geben, weil Israel nicht dazu bereit ist, Auschwitz in anderer Form zu erleben.

im November 2004
Dr. Robert Guttmann
Präsident

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